Mittwoch, 28. März 2007
"Feindbild" Amerika
Dies ist ein Leserbrief auf die Spiegel-Online Polemik
"Böse Amis, arme Mullahs" von Claus Christian Malzahn, vom 28. März 2007
http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,474554,00.html
Herzlichen Dank für diesen leider doch so treffenden Kommentar!
Der Antiamerikanismus wird leider gerade von eigentlich intelligenten Menschen mit viel Enthusiasmus vertreten. Die amerikanische Gesellschaft ist so komplex und vielschichtig, dass da für jeden der möchte etwas dabei ist, sie nach Herzenslust zu kritisieren und den Untergang unserer Kultur zu prophezeien, sollten wir uns dem amerikansichen Einfluss nicht verwehren. Die Amerikaner werden als Großmacht schließlich so gut wie für alles Übel in der Welt verantwortlich gemacht, und alles Gute, was uns Amerika beschert hat, wird mit Geringschätzung gestraft, ohne dass wir aber seine zivilisatorischen Leistungen weniger in Ansrpuch nehmen wollten. Dabei vergessen wir vor allem, dass die USA nach wie vor eine funktionierende, lebendige Demokratie ist. Dies wird von einigen bestritten, aber es sollte klar sein, dass es dazu nicht reicht, auf knappe Wahlausgänge und Guantanamo zu verweisen. Auch bei uns in Europa liegt vieles im Argen.
Und der Iran - aber mal ehrlich, was wissen wir schon über den Iran? - eignet sich kaum als Schreckgespenst, gerade weil wir uns so wenig mit der iranischen Gesellschaft identifizieren können. Vielleicht sind wir deshalb so nachsichtig, oder besser: ignorant. Die Filme in unseren Kinos aber kommen aus Hollywood - wir messen eindeutig mit zweierlei Maß!
Die Einseitigkeit der deutschen Perspektive und die Unfähigkeit, politische, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte in ihrer Gesamtheit zu betrachten, ob in Bezug auf Amerika oder den nahen Osten, wird sich vielleicht eines Tages rächen. Es täte uns allen gut, die politische Debatte sachlicher zu führen.
Aber erlauben sie mir eine Frage: wie sollen die Menschen, die nicht die Zeit oder Motivation haben, sich mit amerikansicher Geschichte und Gesellschaft zu beschäftigen, ihr USA-Bild korrigieren, wenn die deutschen Medien - und nicht zuletzt der Spiegel! - tendenziell antiamerikanisch berichten? Ist es nicht so, dass gerade die deutschen Medien vereinfachen und polemisieren, und den Menschen gerade das Bild der USA zeichnen, dass sie gerne hören wollen? Werden die deutschen Vorurteile und Komplexe nicht in vollem Umfang bedient? Die Tendenz zum Infotainment anstelle seriösen Journalismus hat in letzter Zeit sehr zugenommen. Mehr Mut zur Sachlichkeit würde auch den Medienvertretern gut tun!
"Böse Amis, arme Mullahs" von Claus Christian Malzahn, vom 28. März 2007
http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,474554,00.html
Herzlichen Dank für diesen leider doch so treffenden Kommentar!
Der Antiamerikanismus wird leider gerade von eigentlich intelligenten Menschen mit viel Enthusiasmus vertreten. Die amerikanische Gesellschaft ist so komplex und vielschichtig, dass da für jeden der möchte etwas dabei ist, sie nach Herzenslust zu kritisieren und den Untergang unserer Kultur zu prophezeien, sollten wir uns dem amerikansichen Einfluss nicht verwehren. Die Amerikaner werden als Großmacht schließlich so gut wie für alles Übel in der Welt verantwortlich gemacht, und alles Gute, was uns Amerika beschert hat, wird mit Geringschätzung gestraft, ohne dass wir aber seine zivilisatorischen Leistungen weniger in Ansrpuch nehmen wollten. Dabei vergessen wir vor allem, dass die USA nach wie vor eine funktionierende, lebendige Demokratie ist. Dies wird von einigen bestritten, aber es sollte klar sein, dass es dazu nicht reicht, auf knappe Wahlausgänge und Guantanamo zu verweisen. Auch bei uns in Europa liegt vieles im Argen.
Und der Iran - aber mal ehrlich, was wissen wir schon über den Iran? - eignet sich kaum als Schreckgespenst, gerade weil wir uns so wenig mit der iranischen Gesellschaft identifizieren können. Vielleicht sind wir deshalb so nachsichtig, oder besser: ignorant. Die Filme in unseren Kinos aber kommen aus Hollywood - wir messen eindeutig mit zweierlei Maß!
Die Einseitigkeit der deutschen Perspektive und die Unfähigkeit, politische, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte in ihrer Gesamtheit zu betrachten, ob in Bezug auf Amerika oder den nahen Osten, wird sich vielleicht eines Tages rächen. Es täte uns allen gut, die politische Debatte sachlicher zu führen.
Aber erlauben sie mir eine Frage: wie sollen die Menschen, die nicht die Zeit oder Motivation haben, sich mit amerikansicher Geschichte und Gesellschaft zu beschäftigen, ihr USA-Bild korrigieren, wenn die deutschen Medien - und nicht zuletzt der Spiegel! - tendenziell antiamerikanisch berichten? Ist es nicht so, dass gerade die deutschen Medien vereinfachen und polemisieren, und den Menschen gerade das Bild der USA zeichnen, dass sie gerne hören wollen? Werden die deutschen Vorurteile und Komplexe nicht in vollem Umfang bedient? Die Tendenz zum Infotainment anstelle seriösen Journalismus hat in letzter Zeit sehr zugenommen. Mehr Mut zur Sachlichkeit würde auch den Medienvertretern gut tun!
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